Unser Katzentagebuch

 

LOONA und der unsichtbare Zaun ...

 

Loona ist bisher immer täglich an ihrer 6 Meter langen Leine (auch bei Regen ! - Regenwetter stört sie (leider) nicht) für mehrere Stunden in den Garten gekommen. Unsere Anwesenheit war dabei sehr erwünscht, denn alleine findet es Loona im Garten stinklangweilig. Also müssen sich ihre Menschen zumindest in den Garten setzen und dürfen dann lesen oder sich irgendwie anders die Zeit vertreiben. So alle 5-10 Minuten erklang dann bisher ein leises Miau und wir wußten, Loona hatte mal wieder sämtliche Hindernisse im Garten mit ihrer Leine umwickelt, bis nichts mehr ging ! Besonderes Geschick bewies sie immer beim Herumklettern in dem kleinen Drahtzaun, der den Gartenteich umschließt. Hier schaffte sie es sehr oft,  jedes Drahtfenster mit der Leine zu durchklettern und ihren Menschen dann richtig viel Freude zu bereiten, die dann all die verschlungenen Pfade der Leine durch die Zaunelemente nachzuvollziehen durften.

Loona war inzwischen herangewachsen und längst nicht mehr der kleine Katzenwelpe, den man ständig vor der ganzen Welt beschützen mußte. Trotzdem sollte Loona das Grundstück nicht verlassen können, da es außerhalb genügend Gefahren für Katzen gab. Tagsüber in Begleitung ihrer Menschen dürfte sie für einige Stunden in den Garten, abends und über Nacht gehörte Loona wieder ins Haus. Nach langen Recherchen gab es nur fünf Möglichkeiten, unserer Loona ein sicheres Leben innerhalb der Grenzen unseres Grundstückes zu sichern:

1.  Loona kommt nicht mehr aus dem Haus

Das war eine eher theoretische Frage, denn Loona genießt jeden Tag im Freien und ließe sich freiwillig sicher nicht mehr nur auf das Haus beschränken. Die Gerüche, Geräusche und vielfältigen Umwelteindrücke, die sie täglich im Garten erfährt, bieten ihr soviel Abwechslung und Lebensqualität, die sie als reiner Stubentiger nicht mehr hätte. Damit war Punkt 1 nicht akzeptabel.

2. Loona bleibt an der Leine

Auch diese Alternative hat uns von Anfang an nicht gefallen, da sie nicht nur eine große Einschränkung der Bewegungsfreiheit bei Loona bedeutet, sondern auch ihre Menschen ständig als "Retter" auftreten müssen, um die verschlungene Leine wieder zu lösen. Wenn Loona ihren Gartenkratzbaum bestieg, ist es auch passiert, daß die Leine samt Brustgeschirr ohne Loona im Baum hing und Loona einige Meter entfernt im Gras lag.  Immer dann, wenn sie sich im Baum mit einer zu kurzen Leine "aufgehängt" hatte (sie hing dann im Brustgeschirr wie wie Freikletterer -passieren konnte ihr nichts), befreite sie sich mit unglaublicher Geschicklichkeit aus dem Brustgeschirr und wir liefen im Garten wie ein Hühnerhaufen herum und suchten unsere Loona, die die Szene dann genüßlich aus dem nächsten Versteck beobachtete. Also auch keine vernünftige Alternative.

3. Loona bekommt einen katzensicheren Zaun

Das würde bedeuten, daß wir unseren Garten mit einem nach innen gerichteten 3 m hohen Zaun aus Katzenschutznetz umzäunen oder eine Alternative in Form von Gitterzäunen oder Maschendraht dort installieren müßten.  Der Zaun würde weithin sichtbar mit erheblichen finanziellen Aufwand einen riesigen Käfig darstellen, der sich nicht sehr harmonisch in die Landschaft einpaßt und von der gültigen Ortssatzung auch nicht abgedeckt war. Bei Verwendung eines Netzzaunes müßte zudem das Netz für ca. 500 Euro alle 8-10 Jahre erneuert werden. Ein geeigneter Schutz wäre dieser Zaun - der Aufwand und die Auswirkungen auf die Nachbarschaft wären allerdings gewaltig...

4. Loona bekommt einen Elektrozaun

Ein Elektrozaun rund um unser Grundstück mit entsprechenden Warnschildern an den Außenbereichen war auch nicht die Alternative, die wir uns vorgestellt hatten. Aber, er war vom Aufwand sicher weniger dramatisch, als die unter Punkt 3 beschrieben "Hardware-Variante".

5. Loona bekommt einen unsichtbaren Zaun

Zufällig bin ich im Internet auf dieses Produkt gestoßen, welches für Hunde und Katzen entwickelt wurde. Es besteht aus einem dünnen Draht, der ringsherum um das zu sichernde Grundstück gelegt wird und als Antenne dient. Das Tier trägt ein Halsband mit einem kleinen Sender mit ca. 50 Gramm Gewicht um den Hals. Sobald sich die Katze dem im Boden verdeckten Draht nähert, ertönt ein akustisches Signal. Geht die Katze weiter bekommt sie einen ungefährlichen Stromschlag. Soweit die Theorie ! So ganz billig ist diese Lösung nicht. Man muß immerhin rund 300 Euro anlegen und jedes weitere Halsband kostet ca. 90 Euro. Nachdem ich mit einigen Katzenbesitzern Kontakt aufgenommen hatte, die sich durchweg positiv über diese Art Zaun geäußert hatten, wurde der unsichtbare Zaun bestellt und installiert.

Das Kabel zu verlegen dauerte einen ganzen Vormittag. Dabei war die Verlegung in den Blumenbeeten um das Grundstück herum noch der leichteste Teil der Arbeit. Etwas aufwendiger wurde es zwei Löcher in die Hauswand zu bohren und das Kabel in einer mit einem Trennschleifer gefrästen Nut in den Gehwegplatten zu verlegen. Die gefrästen Schlitze wurden mit Zement wieder verfüllt und das Kabel liegt jetzt gut geschützt um unseren Garten. Das Kabel bildet einen einzigen Kreislauf ausgehend von einem kleinen Gerät und führt auch dorthin wieder zurück. Dieses Gerät setzt das Kabel unter geringe Spannung und an einem Drehregler kann man die Warngrenze von 20 cm bis 120 cm einstellen. 

Wir waren sehr gespannt, wie Loona auf diese psychologische Sperre reagieren würde und ob das ganze System so wie beschrieben auch funktioniert ?

Loona wurde wie in der Anleitung beschrieben zunächst an einer Leine zu den Grenzen geführt. Sobald das akustische Signal ertönte, habe ich ihr ein lautes "NEIN" zugerufen. Das Wort "NEIN" hatte sie inzwischen akzeptiert und sie stellte dann von uns unerwünschte Handlungen ein oder verließ unerwünschte Aufenthaltsorte (z.B. den Küchentisch). Sie ging aber langsam weiter und bekam einen leichten Stromschlag. Erkennbar daran, daß sie urplötzlich hochsprang und sofort zur  Flucht nach hinten in den Garten bis ins nächste Versteck ansetzte. Das wiederholte sich am ersten Tag noch einige Male und Loona wirkte zunächst ziemlich erschrocken und verängstigt. Ja, sie tat uns schon richtig leid und wir überlegten, ob die Entscheidung für diesen Zaun so ganz richtig gewesen war ?

Am zweiten Tag lief sie ohne Leine selbstständig nur mit dem Halsband im Garten herum und näherte sich den verdächtigen Stellen jetzt sehr vorsichtig und langsam. Trotzdem probierte sie immer noch nach dem Klingelton etwas weiter zu gehen - mit der sofort einsetzenden Wirkung - sie sprang sofort in das nächstgelegene Versteck und verkroch sich dort für einige Zeit. 

Am dritten Tag änderte sich das Verhalten: Sie ging jetzt noch vorsichtiger an die Grenzen des Gartens und sobald auch nur der Klingelton erklang, sprang sie einige Meter zurück. Sie wußte inzwischen ganz genau, wo die Grenzen lagen und sollte sie eben noch im wilden Spiel auf die Grenze zugerannt sein, so verfiel sie quasi in Zeitlupe, sobald die Grenze in erreichbarer Nähe lag. Hier bewegte sie sich extrem vorsichtig und sichernd. Wir achteten natürlich auch darauf, daß wir unsere Loona nicht vorsätzlich in den Gefahrenbereich mit einem Spielzeug lockten. Das Signal an Loona mußte lauten: "Spiele ich mit meinen Menschen im Garten, bekomme ich niemals einen elektrischen Schlag!"

Mehrfach war Loona inzwischen im Garten einfach "verschwunden". Keine rote Leine wies mehr den Weg zu ihr. Nach kurzer Suche stellten wir aber immer erleichtert fest, das sie sich unter irgendeinen Gebüsch zur Ruhe gelegt hatte und in keinem einzigen Fall den Garten verlassen hatte und konnte (?).

Da wir im Bekanntenkreis schon wieder von einer erfahrenen Freigangkatze gehört haben, die jetzt mit gebrochenen Kiefer (Autounfall) behandelt werden muß, halten wir die Variante mit dem "unsichtbaren Zaun" auch unter Tierschutzgesichtspunkten noch für vertretbar. Zumal es sich tatsächlich abzeichnet, daß Loona sehr schnell gelernt hat und der sicher nicht angenehme Kontakt mit den Stromschlag damit in Zukunft weitestgehend unterbleibt. Es gibt auch Berichte von Katzenhaltern, die versehentlich für längere Zeit den Zaun ausgestellt hatten, ohne daß die Katzen jemals wieder die Grenzen überschritten hätten.

Über weitere Erfahrungen mit unserem unsichtbaren Zaun werde ich noch berichten....

                  

                    

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 (c)  Text: Torsten Sause